Wird die neue „F1 Academy“ wirklich Frauen in die Formel 1 bringen?

Der Talentpool ist zu klein, als dass es eine Frau an die Spitze schaffen könnte“

– susie wolff, managing director der f1 academy

Seit 1976 sind 47 Jahre vergangen, seit Lella Lombardi am Großen Preis von Österreich in der Formel 1 teilnahm. Sie blieb die einzige Fahrerin, die sich unter den fünf Versuchenden in diesem Wettbewerb behaupten konnte. Vor ihr gelang es nur ihrer Kollegin Maria Teresa de Filippis in der Geschichte der Meisterschaft, die 1950 ins Leben gerufen wurde, in der höchsten Motorsportklasse anzutreten. Seither hat keine Frau mehr den Durchbruch geschafft, sich in der Formel 1 zu qualifizieren – der höchsten Kategorie des Einzelsitz-Motorsports.

45.000 Mädchen gehen jedes Jahr auf die Indoor-Kartbahn, aber nur 4,7 Prozent von ihnen nehmen an einem Rennen teil

Doch nun könnte sich dieses Bild wandeln, da Susie Wolff, eine ehemalige britische Rennfahrerin, in diesem Jahr zur Leiterin der F1 Academy ernannt wurde. Diese Akademie repräsentiert eine neu ins Leben gerufene Rennsportmeisterschaft, die ausschließlich Frauen vorbehalten ist.

Die Formel 1 initiierte dieses Projekt mit dem Ziel, Mädchen und junge Frauen verstärkt in den Motorsport einzubinden. Dies ist zweifellos ein ehrgeiziges Unterfangen, das jedoch auf reale Schwierigkeiten trifft. Nach Jahrzehnten männlicher Dominanz ist die Identifizierung weiblicher Talente nach wie vor eine anspruchsvolle Aufgabe.

Der ersten Fahrerin in der Formel 1

Das ist in der Formel 1 und im Motorsport sicherlich nicht der Fall. Es gab und gibt wichtige Fahrerinnen -einige wenige, fünf in 70 Jahren: Maria Teresa De Filippi, Lella Lombardi, Divina Galica, Desiré Wilson und Giovanna Amati.

Es wird ein sehr langsamer Prozess sein, und die Zahlen bewegen sich nicht sehr deutlich. Das erste Problem ist die gesellschaftliche Wahrnehmung und der Mangel an Vorbildern. Wenn man eine junge Frau ist und die Formel 1 liebt, schaltet man den Fernseher ein, und leider werden viele der Rollen, die vor der Kamera stehen, immer noch von Männern dominiert. Das wiederum führt zu dem grundlegenden Problem, dass nicht genügend Frauen in den Sport einsteigen. Der Talentpool ist zu klein, so dass die Besten nicht an die Spitze kommen.

5 Fahrerinnen in 70 Jahre

Nicht nur, dass die Formel 1, wenn sie von Erfahrung spricht, die Jahre ignoriert, die Mädchen im Kartsport, in der Formel 4 und in der FRECA verbringen, gemeinsam und gleichberechtigt mit den Jungen, wie es jeder und jede angehende Fahrer:in tun sollte.

Aber wie kann man eine Lösung vorschlagen, ohne vorher zu fragen: „Warum schaffen es Frauen nicht in die Formel 1?“ Sicherlich keine einfache Frage, aber eine, die dringend beantwortet werden muss. Einer der Gründe sind zum Beispiel Sponsoren, die den Wechsel eines Fahrers von einer Kategorie in eine andere mittlerweile stark beeinflussen.

Jamie Chadwick: Kein Sponsor, der sie unterstütze

Eine, die aus Erfahrung sprechen kann, ist Jamie Chadwick. Die dreimalige Meisterin der W-Serie gab zu Protokoll, dass sie keinen Platz in der Formel 3 finden konnte, weil sie keine Sponsoren fand, die bereit waren, in sie zu investieren.

Der Grund für dieses Phänomen? Vielleicht die Vorurteile gegenüber Fahrerinnen, die dazu führen, dass man Investitionen in einen männlichen Fahrer für viel sicherer hält. Das auch in Anbetracht der Tatsache, dass es leider schon 30 Jahre her ist, als das letzte Mal eine Frau an einem Formel 1 Grand Prix teilgenommen hat.

Während die Formel 1 die F1 Academy in den Abschnitt „Vielfalt und Integration“ der „Net Zero 2030„-Agenda aufnimmt, wird Chadwick zurück nach Amerika fliegen, um ihre Karriere bei Indy NXT neu zu starten. Damit lässt sie genau jene Formel 1 zurück, die ihr nach ihren Aussagen nicht genug beim Einstieg geholfen hat.

Und dann wären da noch die rosa Autos: Ist die Entscheidung von Alpine Cars für die Formula 1 Academy rosa Autos zu verwenden, wirklich inklusiv?

Erst einmal sollte das strukturelle Problem an der Wurzel gepackt werden. Mit dem Ziel, die nächste Generation zu inspirieren und auf eine Indoor-Kartbahn zu gehen. Jetzt müssen wir nur noch die Motoren starten und loslegen.

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