10 Jahre Flora Miranda: Zwischen Codes und Couture
Als Flora Miranda 2016 ihre erste eigene Kollektion „Press Reset“ nannte, klang das zunächst nach digitalem Zeitgeist. Zehn Jahre später wirkt der Titel beinahe prophetisch.
Denn kaum eine österreichische Designerin hat in der vergangenen Dekade so konsequent versucht, Mode neu zu denken – mit Daten statt Dekor, Algorithmen statt Schnittmustern und Technologien, die heute selbstverständlich erscheinen, als Werkzeug, lange bevor sie im Mainstream angekommen waren.
Manchmal verrät der Anfang bereits ziemlich viel über das, was später kommt. „Press Reset“ hieß die erste eigene Kollektion, mit der Flora Miranda 2016 ihre Arbeit unter eigenem Namen begann. Ein Neustart also. Nicht nur für die damals junge Designerin, sondern gewissermaßen auch für ihre Vorstellung davon, was Mode überhaupt sein kann.

Zehn Jahre später gehört Miranda zu jenen Kreativen, deren Arbeiten sich kaum noch eindeutig einer Disziplin zuordnen lassen. Ist es Mode? Digitale Kunst? Technologie? Skulptur? Bei ihr lautet die Antwort meist: alles gleichzeitig.
Zwischen Wien und Antwerpen
Die 1990 in Salzburg geborene Designerin und bildende Künstlerin arbeitet heute zwischen Wien und Antwerpen. Ihre Entwürfe beginnen dabei häufig nicht mit einem Stück Stoff, sondern mit Informationen. Daten werden ausgewertet, übersetzt, programmiert und schließlich zu Formen, Oberflächen und Kleidungsstücken. 3D-Scans treffen auf 3D-Druck, Laserschnitt auf maschinelles Lernen und generatives Design.

Was mittlerweile zum festen Vokabular einer neuen Generation von Designstudios gehört, war vor zehn Jahren noch vergleichsweise exotisch.
Mode nach dem Reset
Mirandas Zugang hat durchaus mit ihrer Ausbildung zu tun. 2014 schloss sie ihren Master an der Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen ab – jener Schule, die mit Namen wie Walter Van Beirendonck, Dries Van Noten oder Ann Demeulemeester längst selbst Teil der Modegeschichte geworden ist und heute als Kaderschmiede der internationalen Modebranche gilt.

Ein klassischer Einstieg in eine klassische Designerkarriere wäre also durchaus möglich gewesen. Flora Miranda entschied sich für einen anderen Weg.
Im Zentrum ihrer Arbeit stand früh eine Frage, die inzwischen relevanter erscheint denn je: Was passiert mit Mode, wenn sich ein immer größerer Teil unserer Identität im Digitalen abspielt?
Miranda beschreibt ihre Welt als „extraterrestrisch, extravagant und exklusiv“.
Ihre Antwort darauf war weniger ein bestimmter Look als vielmehr eine Arbeitsweise. Miranda begann, eigene Software zu entwickeln und Technologie nicht einfach als zusätzliches Produktionswerkzeug einzusetzen, sondern als Ausgangspunkt für die Gestaltung.

Das Ergebnis sind Kleider und Objekte, die gelegentlich wirken, als seien sie weniger für den nächsten Red Carpet als für eine Zukunft entworfen worden, deren Dresscode noch nicht ganz feststeht.
Zu früh ist manchmal genau richtig
Innovation hat allerdings einen Nachteil: Wer wirklich Neues ausprobiert, muss häufig arbeiten, bevor dafür überhaupt ein Markt existiert.
„Wer innovativ sein will, ist oft zu früh dran. Techniken werden nicht sofort angewendet, weil es noch keinen Markt dafür gibt“, sagt Miranda rückblickend. Sie sieht darin jedoch zugleich eine Stärke. Das Crossover aus Mode, Design und Technologie ermögliche ihr, etwas Eigenständiges zu schaffen – und ihre Arbeit in unterschiedlichste Richtungen weiterzuentwickeln.
Genau das ist in den vergangenen zehn Jahren passiert.
2017 entwickelte sie mit „IT Pieces“ einen frühen Ansatz datengetriebener Mode. Unternehmensdaten werden dabei über generatives Design in visuelle Formen übersetzt und schließlich tragbar gemacht. Daten, die normalerweise in
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