Delicious! Food- und Hospitality-News des Frühlings 2026
Der Frühling 2026 zeigt, wie stark sich Genuss gerade in zwei Richtungen entwickelt: Einerseits wird Hospitality wieder zur Bühne für Atmosphäre, Erzählung und Inszenierung.
Andererseits landen im Handel Produkte, die sehr genau wissen, welche Fantasie sie verkaufen wollen – Küste, Umami, Grillkultur, Mittelmeer. Dazwischen liegt eine Frage, die für Wien, Paris und den Feinkostmarkt gleichermaßen gilt: Reicht Design aus, oder muss alles auch gleich ein Erlebnis sein?
Wiener Neuzugang in der Restaurant-Landschaft: Rascal im WILDE
In Wien lautet derzeit eine der interessantesten Antworten Rascal. Das neue Brasserie-Restaurant im Wilde, Vienna Fleischmarkt, hat am 5. März eröffnet und sitzt in einem Haus, das selbst schon Erzählstoff mitbringt: dem mehr als 300 Jahre alten ehemaligen Postamt am Fleischmarkt. Statt die historische Hülle bloß dekorativ zu nutzen, setzt Rascal auf eine Form der Großstadtgastronomie, die in Wien bisher oft gefehlt hat. Was so viel heißt: weniger steif als klassische Hotelrestaurants, aber dann wieder zu durchgestylt.

Das Rascal ist von Mittwoch bis Samstag abends geöffnet; ein Sonntagsbrunch wurde bereits für April 2026 angekündigt.
Küchenchef Tamas Kiss, zuletzt fünf Jahre im Seven North, arbeitet mit österreichischen Klassikern, Brasserie-Codes und Sharing-Ideen, ohne daraus eine bemühte junge Fusion-Erzählung zu machen. Caesar-Salat und Beef-Tatar werden am Tisch angerichtet, am Wochenende kommen Austern und Tomahawk-Steaks dazu. Empfehlenswert ist der Snack-Turm mit deftigem, etwa in Butter angeröstetem Sauerteigbrot mit Anchovis oder Bratwurst mit Apfel-Kren-Senf.
Wie bereits in der internationalen Gastronomie üblich, ist das auch kalkulierte Insta-Dramaturgie. Aber in einer Stadt wie Wien, die beim Essen lange zwischen Wirtshaus und Fine Dining aufgeteilt war, könnte dieses Zwischenspiel, das bereits von anderen Playern wie dem, der es im vom Moment geschlossenen C.O.P. bespielt hat, hier wieder aufblühen und sich in der Millennial- bis betuchteren Gen-Z-Zielgruppe etablieren.
Tagsüber wirkt die große Restauranthalle nüchtern. Auch die Kunstpflanzen können daran wenig ändern. Mit fortschreitender Stunde kippt der Raum dank Lichtprojektionen in ein kuschelig gemeintes, aber fragwürdig inszeniertes Kitschpanorama. Dass man trotzdem gern bleibt, liegt vor allem am freundlichen Personal.
Luxus Nouveau im Silvia Nickol Gourmet Restaurant des Palais Coburg
Das Gegenmodell dazu ist nicht weniger inszeniert, nur deutlich elitärer: Carte Blanche im Silvio Nickol Gourmet Restaurant im Palais Coburg. Dort wird die Menükarte nicht erweitert, sondern im Grunde entmachtet.
Wer hier reserviert, bestellt nicht einfach ein Menü, sondern gibt den Abend bewusst aus der Hand. Saisonale Gänge, eine leere Menükarte für eigene Notizen und ein Besuch in der Küche machen das Dinner zu einem kontrolliert komponierten Erlebnis.

Das erinnert an eine Mischung aus Chef’s Table und Opernloge für Gourmets und trifft damit einen neuen Luxusbegriff: Exklusivität entsteht nicht mehr nur über Preis und Produkt, sondern auch über Dramaturgie und das Gefühl, Maßgeschneidertes zu erleben. Im mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurant wird Vertrauen so selbst zum Teil des Formats.
Gefischt: Oyster Adriatic Gin
Nach Hotels und Restaurants zu den Produktneuheiten, die denselben Zeitgeist in Flaschen und Saucen verkörpern. Johann1857 setzt mit Oyster Adriatic Gin und Oyster Wild Citrus auf mediterrane Projektion: Wacholder, adriatische Kräuter, Zitrusnoten und das Versprechen maritimer Leichtigkeit. Was kann man sich noch mehr für den Sommer wünschen?
Hier wird nicht nur ein Drink verkauft, sondern ein Riviera-Lebensgefühl in einer Zeit, in der Reisen, Küste und Aperitivo längst zu festen Konsumcodes geworden sind.

Kikkoman: Sojasaucen-König relauncht Teriyaki-Linie
Mit dem Relaunch seiner Teriyaki-Linie reagiert Kikkoman auf einen ziemlich klaren Gegenwartsgeschmack: Saucen sollen heute nicht nur praktisch sein, sondern auch eine ganze Aromawelt mitliefern.

Für den Wok gibt es 4 Varianten mit geröstetem Knoblauch und eine mit geröstetem Sesam; für den Grill eine BBQ-Sauce mit Honig und Rauchgeschmack sowie als neue Ergänzung eine BBQ-Sauce Korean Style.
Nach eigenem Testen braucht es keinen WOK. Ein Fleisch- oder Fischgericht mit Reis oder auch „nur“ Reis genügt und schon boostet man es ordentlich. Damit ist es als vielseitige Küchenabkürzung zwischen Glasur, Dip und Würzbasis ein Fixpunkt im Kühlschrank. Auch einen Schuss der vielseitigen Saucen in ein Salatdressing kann übrigens ordentlich was.
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