Interview mit Schauspieler Max Ortner: Über Männlichkeit und was es bedeutet in Rollen zu schlüpfen
Schauspieler Max Ortner will es genau wissen und legt die alte Klischeerüstung ab. Für unser erstes EntreNous HOM:ME Cover 2025 zeigte er sich so stylish wie verletzlich, sprach über emotionale Ehrlichkeit, starke Rollen und darüber, warum eine Sonnenbrille manchmal ein Schutzschild ist.
Fotografiert wurde Max Ortner von Michael Dürr, Make-up & Hair übernahm Shlomit Schatzmayr, Produktion & Styling Mio Paternoß. Location war das Hotel SO/ Vienna.
Wie war es für dich, in die Rolle des Models zu schlüpfen?
Modeln ist für mich absolutes Neuland. Bei meiner Verlobten Victoria Karner – einem Profi-Model – habe ich gesehen, wie viel Disziplin dahintersteckt, und gemerkt: Schauspiel und Modeln erzählen beide Geschichten, nur leiser, über Ausstrahlung und Blick.
Wie würdest du deinen Stil beschreiben?
Wahrscheinlich: „ein bisschen extra“. Ich weiß genau, wie man Aufmerksamkeit erzeugt. Eine goldene Kette, schwarz lackierte Nägel, ein starkes Einzelstück – das reicht oft schon. Mode ist für mich aber auch eine Art Rüstung: Ich bin oft auf Events, rede viel, und wenn mir das zu viel wird, trage ich getönte Brillen, auch drinnen. Sie geben mir einen Moment Schutz, in dem ich bei mir bleiben kann.

Was bedeutet das Wort „Männlichkeit“ für dich?
Männlich zu sein bedeutet für mich heute nicht, Stärke trotz Verletzlichkeit zu zeigen, sondern durch sie. Ich glaube, echte Männlichkeit beginnt da, wo die Fassade aufhört. Ich bin mit „Ironman“ und „Stirb langsam“-Postern im Zimmer aufgewachsen und liebe Kampfsport. Aber mittlerweile weiß ich, dass Präsenz, emotionale Klarheit und Verantwortungsbewusstsein viel kraftvoller und eindrucksvoller sind als jedes Sixpack.
Max Ortner, 1990 in Linz geboren, ist Schauspieler mit Bühne, Kamera und Kampfsport im Blut. Nach seinem Studium an der Anton-Bruckner-Universität spielte er u. a. am Landestheater Linz, am Theater an der Rott und zuletzt in der Musical-Hauptrolle „Bodyguard“ im Ronacher Wien. Seit 2018 ist er regelmäßig im TV und im Kino zu sehen – aktuell mit seiner ersten Kinohauptrolle in „Achtzehntage“ sowie in „Im Zeichen des Drachen“ an der Seite von Nastassja Kinski und Erdo?an Atalay. Neben der Schauspielerei trainiert Ortner aktiv Kampfsport.
Gab es einen Moment, in dem du dein eigenes Männerbild hinterfragt hast?
Ja – auf der Schauspielschule habe ich zum ersten Mal eine Rolle gespielt, die völlig gegen mein eigenes Selbstbild ging: weich, ängstlich, emotional abhängig. Dabei wurde mir klar, wie sehr ich tatsächlich konditioniert war. Wie oft ich eher einen „Mann“ gespielt habe, als wirklich ich selbst zu sein. Dieser Moment war unbequem – aber auch befreiend.
Wir brauchen Räume ohne Wertung. Männer spüren sofort, wenn sie für Offenheit belächelt oder kritisiert werden – deshalb schweigen sie.
Was macht für dich einen starken Mann aus und hat sich das mit der Zeit verändert?
Früher war Stärke für mich: laut, durchsetzungsfähig, unerschütterlich. Heute heißt stark sein: zuhören, ehrlich sein, sich nicht hinter Kontrolle verstecken. Ein starker Mann muss nicht jedem gefallen – aber er muss sich selbst aushalten können, auch in der Stille. Diese Erkenntnis kam mit der Arbeit an mir selbst, aber auch mit Schmerz. Doch sie hat sich gelohnt: Heute kann ich in den Spiegel schauen, ohne zu zucken.

Was müsste passieren, damit sich mehr Männer freier ausdrücken – in Stil oder in Emotionen?
Wir brauchen Räume ohne Wertung. Männer spüren sofort, wenn sie für Offenheit belächelt oder kritisiert werden – deshalb schweigen sie. Wenn Vorbilder zeigen, dass Emotionalität nichts mit Schwäche, sondern mit Charakter zu tun hat, wird das irgendwann zur Norm. Und ganz ehrlich: Wer in einem Rock echt bleibt oder sich für Tränen nicht schämt, ist schon ziemlich stark.
Was nervt dich am klassischen Rollenbild des Mannes am meisten?
Dass es einfach wahnsinnig langweilig ist. Immer der Starke, der Unerschütterliche, der nie fragt, nie weint, nie zögert – das ist nicht nur realitätsfern, sondern auch erzählerisch tot. Als Schauspieler will ich auch Männer spielen, die widersprüchlich sind. Die in ihrer Schwäche stark sind. Diese alten Klischees sind wie Anzüge, die nie passen, aber trotzdem jeder trägt.
Wer in einem Rock echt bleibt oder sich für Tränen nicht schämt, ist schon ziemlich stark.
Apropos Rolle: Gibt es eine Rolle, die dich als Schauspieler besonders geprägt hat?
Definitiv: Achtzehntage. Die Figur war von Andreas Mihavecz inspiriert, der in einer Zelle vergessen wurde. Das war kein Schauspiel, sondern der Versuch, Gerechtigkeit spürbar zu machen.


Wie hast du dich auf die Rolle vorbereitet?
Mit großem Respekt. Mir war es wichtig, das Erlebte nicht zu dramatisieren, sondern Stille, Ohnmacht und Ausgeliefertsein spürbar zu machen. Ich habe viel über Isolation gelesen und auch körperliche Entbehrung erlebt. Es ging nicht um großes Spiel, sondern um eine leise, umso erschütterndere Wahrheit.
Was wäre eine Traumrolle für dich?
Ich spiele oft Bad Boys – das liebe ich. Aber ich würde auch gern mal etwas ganz Weiches und Verletzliches zeigen. Vielleicht eine Figur, die beides in sich trägt.
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