Zu Besuch im „House of Katz“

Laura Sänger ist seit Jahren eine der spannendsten Wiener Modegrößen, die sich mit ihrem Label LA KATZ etabliert hat. Seit diesem Sommer hat die Markenwelt der Maison einen weiteren Meilenstein vorzuweisen: das „House of Katz“. Gleich in der Nachbarschaft des Belvederes gestaltete Sänger einen Salon, der Mode, Kunst und Interior verbindet.


Fotos: Sandra Schwaiger
Styling & Produktion: Maria Ratzinger
Hair & Make-up: Shlomit Schatzmayr
Foto-Assistenz: Nadja Spiegel


Laura Sänger hat in den vergangenen Jahren nicht einfach nur ein Wiener Modelabel aufgebaut. Sie hat mit LA KATZ eine eigene Welt geschaffen – international gedacht, unverwechselbar inszeniert und mit einer ausgeprägten Vorliebe für Seide, satte Farben und Frauen, die lieber auffallen, als sich wegzudekorieren. LA KATZ ist feminin, glamourös und immer ein wenig drüber. Zum Glück.

La Katz by Sandra Schwaiger
Seidenmantel & -hose | LA KATZ

Nun hat diese Welt auch eine feste Adresse. Das House of Katz ist irgendwo zwischen Salon, Showroom, Atelier und sehr guter Privatwohnung angesiedelt. Ein klassischer Store hätte zu Sänger ohnehin nicht gepasst. Statt weißer Wände und Kleiderstangen gibt es gelbe Seidentapeten, Vintage- und Designerstücke, Kunst und ein Zebrasofa, das vermutlich schon mehr Charakter besitzt als so manche komplette Boutique.

Hosenanzug: Sportmax via Steffl, Heels | Jimmy Choo via Steffl, Handschuhe | Talent’s Own

Im House of Katz kann man einen Seidenanzug anprobieren, Champagner trinken und mit Menschen ins Gespräch kommen, wie Laura Sänger im EntreNous-Interview erzählt.

Die Mode steht dabei nicht allein im Mittelpunkt, sondern wird Teil eines größeren Ganzen. Gestartet ist die gebürtige Bonnerin 2020 – mitten in der Pandemie und als Quereinsteigerin. Sänger hatte Publizistik studiert und in einer Agentur gearbeitet, bevor sie ihren Job kündigte, um sich selbstständig zu machen. Ihr erstes Stück: ein Seidenmantel.

La Katz by Sandra Schwaiger
Denim & Gilet: Louis Vuitton, Handschuhe | Talent’s Own

Die Idee für LA KATZ entstand aus ihrer Beschäftigung mit dem Cradle-to-Cradle-Prinzip und dem Wunsch, außergewöhnlich gute, möglichst schadstofffreie Seidenmode zu entwerfen. Im Zentrum stand zunächst biologische Seide indischer Herkunft, bezogen über einen Betrieb am Comer See.

Laura Sänger La Katz
Brille | Bottega Veneta
Blazer | LA KATZ

Statt ständig neuen Trends hinterherzulaufen, setzte Sänger von Beginn an auf eine klar erkennbare Handschrift: starke Farben, Leo-Print und eine ordentliche Portion Wiener Nachtleben.

La Katz
Seidenanzug | LA KATZ
Handschuhe | Talent’s Own

Ein Showroom in Paris sollte LA KATZ zunächst international etablieren, doch bald verlagerte man den Fokus auf aufwendig inszenierte Pop-ups und Kooperationen mit Wiener Traditionshäusern wie Mühlbauer und Augarten. Diese machten das junge Label über die klassische Modeszene hinaus bekannt. Später kamen weitere Projekte und Produkte hinzu.

Eines ist klar: LA KATZ entwickelt sich zunehmend zur Lifestyle-Welt.


INTERVIEW MIT LAURA SÄNGER VON LA KATZ

Warum wurde das House of Katz kein klassischer Store, sondern ein Raum zwischen Salon, Mode und Kunst?

Mich hat die Idee eines modernen Salons interessiert. Ein Ort, an dem man eine Bluse anprobiert, ein Glas Champagner trinkt, eine Ausstellung besucht oder drei Stunden mit völlig fremden Menschen über Kunst, Architektur oder Unternehmertum sprechen kann. Viele meiner schönsten Erinnerungen sind nicht in Geschäften entstanden, sondern in privaten Räumen. Das House of Katz ist der Versuch, genau das zu kreieren. Die Mode ist ein Teil davon, aber nicht der Ausgangspunkt. Im besten Fall kommt jemand wegen eines Seidenanzugs und bleibt wegen eines Gesprächs.

Was bedeutet der Begriff „Salon“ für dich persönlich?

Wenn ich an die Wiener Salonkultur denke, denke ich an einen bewusst kuratierten Rahmen. Einen Ort, an dem unterschiedliche Menschen zusammenkommen. Das House of Katz ist mein Versuch, diese Idee in die Gegenwart zu übersetzen. Nicht als historisches Konzept, sondern als persönlichen Raum für Kunst, Mode, Gespräche und neue Verbindungen.

Was soll man fühlen, wenn man den Raum zum ersten Mal betritt, und welche Menschen sollen sich hier treffen?

Idealerweise betritt man das House of Katz und denkt: „So etwas habe ich in Wien noch nie gesehen.“ Der Raum soll nicht perfekt wirken, sondern durchdacht, kuratiert und persönlich. Er ist die räumliche Fortsetzung von LA KATZ: dieselben Ideen, dieselbe Faszination für Handwerk, Materialität und Inszenierung. Und das nicht nur in Form eines Kleidungsstücks, sondern auch in der Gestaltung ganzer Räume.

Was war dir bei der Möbelauswahl besonders wichtig, und welche Atmosphäre hattest du dabei im Kopf?

Ich wollte keinen Showroom gestalten, sondern eine Welt. Einen Ort, an dem man vom ersten Moment an versteht, wofür LA KATZ steht, ohne ein einziges Kleidungsstück gesehen zu haben. Wenn man durch die Räume geht, soll man dieselbe Mischung aus Glamour, Sinnlichkeit, Wiener Grandezza und einer gewissen Unvernunft spüren, die auch die Kollektion prägt.

Was erzählt LA KATZ über Weiblichkeit, Stil und Selbstinszenierung?

LA KATZ erzählt von Frauen, die keine Angst vor Wirkung haben. Mich hat irritiert, dass Zurückhaltung oft als besonders stilvoll gilt, während Männer sich seit Jahrhunderten über Architektur, Kunst, Autos oder ganze Häuser inszenieren. Eine Frau im Seidenanzug, eine Frau in einem Leopardenmantel oder eine Frau in einem Raum wie dem House of Katz nimmt sich ihren Platz. Nicht laut, aber selbstverständlich.

Im House of Katz sind auch einige Kunstwerke zu sehen, darunter ein „Leberkässemmerl“ des österreichischen Künstlers Martin Grandits. Wie wichtig ist dir Kunst als Teil des Raums, und warum passt gerade ein solches Werk zu LA KATZ?

Für mich war Kunst nie etwas, das man nachträglich an die Wand hängen konnte. Sie gehört von Anfang an zur Welt des House of Katz. Mich interessieren Räume, die verschiedene kreative Disziplinen miteinander verbinden. Mode, Kunst, Design und Interior beeinflussen sich ständig gegenseitig und entstehen oft aus denselben Gedanken. Vielleicht passt das Werk von Martin Grandits deshalb auch so gut in den Raum. Auf den ersten Blick wirkt es humorvoll, fast banal. Gleichzeitig sagt es viel über die österreichische Kultur, die Alltagsästhetik und darüber aus, was wir als wertvoll bezeichnen. Ich mag diese Spannung zwischen Hochkultur und Alltagskultur.

Wie wichtig ist dir der Dialog zwischen deiner Mode, der Kunst und dem Interior?

Ich denke selten in Kategorien. Das Zebrasofa im House of Katz, die gelben Seidenwände im Atelier oder ein Seidenanzug von LA KATZ folgen für mich derselben Logik. Sie versuchen nicht, jedem zu gefallen. Wenn man mir ein beiges Sofa hinstellt und daneben ein Zebrasofa, werde ich mich jedes Mal für das Zebrasofa entscheiden. Nicht, weil es extremer ist, sondern konsequenter. Die Konsequenz interessiert mich in der Mode, in der Kunst und im Interior gleichermaßen. Am Ende geht es immer darum, eine Welt zu schaffen, die erkennbar und nicht austauschbar ist.

LA KATZ arbeitet viel mit Seide. Was fasziniert dich an diesem Material?

Seide ist eines der luxuriösesten Materialien der Welt und zugleich unglaublich angenehm und unkompliziert zu tragen. Viele Dinge, die ich schön finde, vereinen diese Gegensätze: Glamour und Alltag, Sinnlichkeit und Stärke, Eleganz und Selbstverständlichkeit. Seide vereint all das in einem einzigen Material. Sie ist luxuriös, ohne protzig zu wirken, und sinnlich, ohne aufdringlich zu sein. Viele Menschen behandeln Seide wie etwas Kostbares, das man nur zu besonderen Anlässen trägt. Mich interessiert genau das Gegenteil. Für mich gehört ein Seidenanzug genauso selbstverständlich in den Alltag wie eine Jeans. Vielleicht liegt genau darin die Philosophie von LA KATZ.

Wie entsteht ein LA-KATZ-Entwurf? Beginnst du mit einem Stoff, einer Silhouette, einer Stimmung oder einer bestimmten Frau im Kopf?

Ich beginne immer mit dem Stoff. Die Materialität ist der Ausgangspunkt jeder Kollektion. Ein Stoff bringt bereits bestimmte Eigenschaften mit sich – Gewicht, Fall, Struktur und Bewegung. Daraus entwickeln sich die Silhouette und wiederum die Stimmung eines Entwurfs. An eine bestimmte Frau denke ich dabei selten. Mich interessiert vielmehr, wie unterschiedliche Frauen ein Kleidungsstück für sich interpretieren. Dasselbe Design kann bei zwei Frauen völlig unterschiedlich wirken. Darin liegt auch die Faszination der Mode. Was jedoch immer gleich bleibt, ist die Balance, nach der ich suche: schlicht, aber nie zurückhaltend. Sinnlich, aber nie überladen. Präsent, ohne laut zu sein.

Das Image von LA KATZ wirkt sehr feminin, aber nie angepasst. Welche Art von Weiblichkeit möchtest du damit sichtbar machen?

Das ist wahrscheinlich meine sehr persönliche Interpretation von Weiblichkeit. Mich hat das Mädchenhafte nie besonders interessiert. Für mich bedeutet Weiblichkeit nicht Zurückhaltung, sondern Präsenz. Nicht Anpassung, sondern Individualität. Ich mag Frauen, die einen Raum betreten und eine Wirkung hinterlassen, ohne dabei laut sein zu müssen. Frauen mit Haltung, Stil und einer gewissen Selbstverständlichkeit.

Du hast bereits viel Erfahrung mit Kollaborationen. Was kann entstehen, wenn eine junge Wiener Modemarke wie deine mit Traditionsunternehmen wie Mühlbauer, Wäscheflott oder Augarten zusammenarbeitet?

Mich interessieren Kooperationen vor allem dann, wenn sie auf einer gemeinsamen Wertschätzung für Handwerk und Qualität beruhen. Unternehmen wie Mühlbauer, Wäscheflott oder Augarten verfügen über ein Wissen und eine Fertigungstiefe, die heute selten geworden sind. Genau das fasziniert mich. Gleichzeitig finde ich es wichtig, Traditionen immer wieder in einen neuen Kontext zu stellen. Eine Zusammenarbeit kann Menschen erreichen, die vielleicht nie ein Augarten-Geschäft betreten oder sich mit dem Wiener Handwerk beschäftigt hätten. Im besten Fall entsteht dadurch nicht nur ein Produkt, sondern auch eine neue Form der Wertschätzung für Qualität, Handwerk und die Menschen dahinter.

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