Imbolc: Die stille Zäsur zwischen Winter & Aufbruch
Der Winter ist noch da. Und doch hat sich etwas verschoben. Imbolc markiert keinen lauten Neubeginn, sondern eine feine Zäsur – kaum sichtbar, aber spürbar für jene, die zuhören. Es ist das Fest des ersten Lichts, der verborgenen Regung unter der gefrorenen Erde, des Moments zwischen Ausharren und Aufbruch.
In einer Zeit der permananten Beschleunigung erinnert Imbolc daran, dass der Wandel leise beginnt. Nicht mit einem Bruch, sondern mit einem Innehalten. Urban schamanische Praxis übersetzt dieses alte Jahreszeitenwissen in unsere Gegenwart – zwischen Beton, Terminkalendern und inneren Übergängen.
Meliha Guri liest Imbolc nicht als romantisches Ritual, sondern als Einladung zur bewussten Schwelle. Für EntreNous.at hat sie einen Gastbeitrag geschrieben.
Anfang Februar liegt eine besondere Stimmung in der Luft. Die Tage sind schon spürbar länger und das Licht verändert sich, auch wenn der Winter noch nicht vorbei ist. In vielen mitteleuropäischen Traditionen ist dieser Zeitpunkt als Lichtmess (1./2.2.) bekannt. Ein Moment, an dem Kerzen geweiht wurden, in dem das Licht nicht nur symbolisch zurückkehrte, sondern der Winter langsam seinen absoluten Griff verlor.
Imbolc steht somit nicht für einen Neuanfang im Sinne von Vorsätzen oder Aktionismus. Vielmehr markiert es den Punkt, an dem sich innerlich bereits etwas bewegt, während äußerlich noch alles ruhig erscheint.
meliha guri

Weniger bekannt ist der Name Imbolc (auf Deutsch auch Imbolg), der auf ältere vorchristliche Jahreskreis-Traditionen zurückgeht. Doch unabhängig davon beschreibt dieser Moment etwas Zeitloses: eine innere Schwelle. Einen Moment, in dem sich etwas regt, bevor es sichtbar wird.
Das lineare Jahr, wie wir es kennen, beginnt am 1.1. und am besten sollten wir das ebenso in der modernen Gesellschaft tun.
Was ist Imbolc?
In der Natur läuft das anders. Viele Völker und Kulturen vor uns richteten sich nach dem Sonnenumlauf. Für sie begann das neue Jahr erst mit der Frühlings-Tagundnachtgleiche am 21.3. (wie auch das astrologische Neujahr.)


Imbolc steht somit nicht für einen Neuanfang im Sinne von Vorsätzen oder Aktionismus. Dafür ist es noch zu früh. Vielmehr markiert es den Punkt, an dem sich innerlich bereits etwas bewegt, während äußerlich noch alles ruhig erscheint. Auch das spiegelt sich vielerorts unter der Schneedecke wider. Die ersten Boten des Vorfrühlings könnten bald in Form von Schneeglöckchen oder Krokussen sichtbar werden.
Viele Menschen erleben diese Zeit als ambivalent. Einerseits fühlen wir uns möglicherweise energetischer; erste Ideen könnten keimen, ebenso wie ein leiser Drang nach Veränderung. Andererseits fehlt oft noch die Klarheit oder die Kraft, diese Impulse sofort umzusetzen. Das kann irritieren und das Gefühl erzeugen, man müsse „jetzt endlich etwas tun“.
Imbolc erinnert jedoch daran, dass nicht jede innere Bewegung sofort eine äußere Handlung erfordert und dass Reife Zeit braucht, bevor sie nach außen tritt.
Nach den dunklen Winterwochen zeigt sich häufig erst, welche Vorsätze, Themen oder Wünsche wirklich Substanz haben. Aber nicht alles davon ist bereits klar formuliert.
Diese Zeit eignet sich weniger für große Entscheidungen als für eine ehrliche Standortbestimmung.
Reflektiere!
Wo bist du innerlich vielleicht schon weiter, als das eigene Leben es aktuell widerspiegelt?
Wo hältst du an etwas fest, das aus Gewohnheit, Angst oder Erwartung ausgedient hat?
Was würde jetzt im eigenen Leben wirklich Stabilität schaffen?
Imbolc fordert nicht zur Selbstoptimierung auf. Es lädt vielmehr dazu ein, den Druck abzubauen und unsere Erwartungen abzuwägen. Oft sind es kleine, klare Entscheidungen. Weniger große detaillierte Pläne, stattdessen mehr Ausrichtung und innere Stimmigkeit.


Vielleicht ist genau das die Qualität dieser stillen Zäsur im Jahr: zu erkennen, dass nicht alles, was wachsen will, schon bereit ist, gezeigt zu werden, und dass auch eine gewisse Reifezeit Teil jedes echten Wandels ist.
Imbolc – oder Lichtmess – erinnert uns daran, dass Veränderung nicht immer mit einem Paukenschlag oder einer großen Ankündigung beginnen muss. Manchmal reicht es, wahrzunehmen, dass sie passiert, und dem, was sich leise zeigt, den nötigen Raum zu lassen. Eine Lehrstunde in Präsenz im Hier und Jetzt, Zeuge im eigenen Prozess sein.
Wichtig anzumerken ist, dass diese Schwellenfeste im Jahr, seien es die Sonnenwenden oder Tagundnachtgleiche, zwar fixe Daten haben, aber in ihrer Zeitqualität fließende Überhänge. Wir befinden uns noch einige Wochen in dieser Phase, bevor die Frühlings-Tagundnachtgleiche (21.3.) mit ihren Attributen breitmacht.
Buchempfehlung:
Rauhnächte & Jahreskreisfeste
Meliha Guri, Christina Danetzky
Meliha Guri – Mentorin & Autorin
LA GURI VISION – Plattform für Self-Leadership, Übergänge & innere Ausrichtung, zeitgenössische Heil- & Reflexionsarbeit
Abonniere unseren EntreNousLetter und bleibe am neuesten Stand. Verpasse keine Updates über Mode, Kunst, Beauty & Lifestyle!




