Marcel Ostertag: Das Zeitalter der Techno Whimsicality

Mit seiner SS27-Kollektion DANCING FLOWERS liefert Marcel Ostertag die passenden Looks für Momente, als hätte man in Berlin das Stroboskop ausgepackt und Blüten durch die Luft geworfen. Und dabei hätte es sehr viel Potenzial, bereits Festgarderobe für die dunkle Jahreszeit zu sein.

Dass es sich formal um eine Frühjahr/Sommer-Kollektion handelt, wirkt keineswegs widersprüchlich. Denn diese Blumen brauchen weder Tageslicht noch warme Temperaturen. Sie blühen auch nach Mitternacht.

Inszeniert wurde die neu präsentierte Kollektion von Jakob Stolz.

Romantik nach Einbruch der Dunkelheit

Im Zentrum stellt Marcel Ostertag den Kontrast zwischen winterlicher Kühle und der Leichtigkeit eines blühenden Gartens her. Florale Muster treffen auf funkelnde Akzente, fließende Silhouetten auf Details, die mit jeder Bewegung anders sichtbar werden. Die Kollektion ist romantisch, aber nicht nostalgisch. Ihre Blumen wirken nicht wie ein Rückzug ins Idyll, sondern wie eine kleine Rebellion gegen die graue Jahreszeit.

Sie haben Volumen, Rhythmus und eine gewisse Unberechenbarkeit. Nichts daran ist stilllebenhaft. Diese Flowers tanzen tatsächlich.

Techno Whimsicality aus Berlin

Man könnte diese Haltung als Techno Whimsicality bezeichnen: eine verspielte, beinahe märchenhafte Ästhetik, die auf urbane Kühle und die Energie einer Clubnacht trifft. Whimsy, aber ohne Zuckerguss. Techno, aber nicht ausschließlich in Schwarz.

Genau darin ist DANCING FLOWERS unverkennbar Berlin. Die Looks tragen den Hedonismus der Stadt in sich, ohne sich den üblichen Codes von Leder, Minimalismus und demonstrativer Härte zu unterwerfen. Stattdessen lässt Ostertag Blumen unter imaginärem Stroboskoplicht aufleuchten. Glanz wird nicht brav, Floralität nicht gefällig und Festlichkeit nicht konventionell. Es ist Mode für Menschen, die auch beim großen Auftritt noch ein wenig eigenwillig bleiben möchten.

Diese neue Lust am Fantastischen lässt sich derzeit in vielen kreativen Disziplinen beobachten. Nach Jahren der kontrollierten Zurückhaltung kehren Farbe, Ornament und Emotion zurück – allerdings mit einem schärferen, zeitgenössischen Unterton.

Bei Marcel Ostertag entsteht daraus keine Fluchtwelt, sondern eine Garderobe für das wirkliche Leben: sinnlich, beweglich und bereit für die Nacht.

Inszeniert von Fotograf Jakob Stolz

Entscheidend für die Wirkung der Kollektion ist auch ihre fotografische Übersetzung. Jakob Stolz, ein in Berlin arbeitender Porträt- und Commercial-Fotograf, inszeniert DANCING FLOWERS nicht als bloße Dokumentation von Kleidung. Seine Bilder verleihen den Looks Spannung und Präsenz: Das Florale bleibt leicht, gewinnt aber eine fast elektrische Intensität.

Stolz bewegt sich mit seinem Blick zwischen Nähe und Inszenierung hin und her. Statt die Kleidung mit zu viel Kulisse zu überladen, lässt er Silhouetten, Oberflächen und Körperhaltung die Geschichte erzählen. So wird sichtbar, was Ostertags Entwürfe besonders macht: Sie funktionieren nicht nur als schöne Einzelbilder, sondern entfalten sich in Bewegung. Jakob Stolz ist deshalb ein Name, den man sich merken sollte – gerade dort, wo Modefotografie wieder mehr sein soll als ein makelloses Kampagnenmotiv.

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