Jogi Löw im Interview: „Stil beginnt dort, wo man nicht mehr darüber nachdenken muss“
Fußball ist längst nicht mehr nur das, was auf dem Rasen passiert. Mindestens genauso aufmerksam wird inzwischen beobachtet, was Spieler abseits des Platzes tragen. Sie sitzen in den Front Rows der großen Modehäuser, setzen Streetstyle-Trends und verdienen als Testimonials nicht selten Millionen. Fußball und Mode sind zu einem ziemlich lukrativen Team geworden.
Bei einem war das schon immer anders: Joachim „Jogi“ Löw. Der ehemalige Bundestrainer der deutschen Nationalelf machte sich neben seinen sportlichen Erfolgen ganz nebenbei auch einen Namen als eine Art unfreiwillige Stilikone. Dunkle Hosen, V-Neck-Pullover, zugeknöpfte Polo-Hemden, Schals – sein Look am Spielfeldrand war reduziert, elegant und vor allem erstaunlich konsequent.
Und jetzt kommt eine Kombination, mit der wohl die wenigsten gerechnet hätten: Lidl, STRENESSE und Jogi Löw.
„Als Bundestrainer wusste ich natürlich, dass jedes Spiel und damit auch jeder Auftritt sehr öffentlich ist. Trotzdem habe ich meine Kleidung nie danach ausgesucht, welche Wirkung sie am nächsten Tag in den Medien haben könnte.“
Jogi löw im interview mit entrenous hom:me

Seinen berühmtesten Mode-Moment lieferte ausgerechnet ein Pullover. Bei der WM 2010 in Südafrika trug Löw einen royalblauen Kaschmirpulli von STRENESSE mit V-Ausschnitt.
Deutschland gewann darin gegen Australien, England und Argentinien jeweils mit vier Toren. Der Pullover wurde zum „Glückspulli“ erklärt – und war schließlich so begehrt, dass er in Deutschland ausverkauft war.
Die „unfreiwillige“ Uniform des Jogi Löw
Ähnlich wie Karl Lagerfeld mit seiner schwarzen Uniform oder Steve Jobs mit schwarzem Rollkragen, Jeans und Sneakers entwickelte auch Löw über Jahre eine visuelle Signatur. Keine Mode um der Mode willen, sondern ein Look, bei dem man schon aus der Entfernung wusste, wer da gerade am Spielfeldrand stand.
Demnächst kann man sich den Jogi-Löw-Look ganz unkompliziert zwischen Wocheneinkauf und Aktionsware in den Warenkorb legen.
Die neue STRENESSE-BLUE-Herbstkollektion kommt im Oktober zu Lidl – inklusive einer Neuauflage jenes royalblauen Kaschmirpullovers, der Löw 2010 zum Modephänomen machte. Das Modell aus „100 Prozent Kaschmir“ (so der Handelsriese) kostet 49,99 Euro und ist ab 5. Oktober online, ab 12. Oktober in den deutschen Lidl-Filialen erhältlich. In Österreich ist der Launch noch nicht angekündigt worden.
EntreNous HOM:ME hat mit Joachim Löw darüber gesprochen, was für ihn guten Stil ausmacht, wie sehr Kleidung das Bild einer Mannschaft prägen kann und warum ausgerechnet die ungewöhnliche Liaison zwischen STRENESSE und Lidl für ihn funktioniert.
Sie haben über Jahre hinweg gezeigt, dass gerade ein sehr reduzierter Look enormen Wiedererkennungswert entfalten kann. Was macht für Sie persönlich guten Stil aus – und wann wird aus Mode tatsächlich Stil?
Jogi Löw: „Für mich beginnt Stil dort, wo man nicht mehr darüber nachdenken muss. Man weiß irgendwann, was einem steht, worin man sich wohlfühlt und was zur eigenen Persönlichkeit passt. Ich mochte es eigentlich immer eher klar und reduziert. Man muss nicht ständig etwas Neues ausprobieren, nur weil es gerade angesagt ist. Wenn ein Look über Jahre funktioniert und trotzdem selbstverständlich wirkt, dann wird aus Mode persönlicher Stil.“
Als Bundestrainer wurde praktisch jedes Detail Ihres Auftretens öffentlich wahrgenommen – vom Hemd bis hin zum Schal oder Pullover. Hat sich Ihr Verhältnis zu Kleidung verändert, seit Sie nicht mehr Woche für Woche vor einem Millionenpublikum am Spielfeldrand stehen?
Jogi Löw: „Ich gehe heute noch etwas entspannter damit um. Als Bundestrainer wusste ich natürlich, dass jedes Spiel und damit auch jeder Auftritt sehr öffentlich ist. Trotzdem habe ich meine Kleidung nie danach ausgesucht, welche Wirkung sie am nächsten Tag in den Medien haben könnte. Heute fällt dieser öffentliche Rahmen weitgehend weg und dadurch gibt es noch ein bisschen mehr Freiheit. Mein Geschmack hat sich aber nicht grundlegend verändert: Ich mag nach wie vor klare Sachen, gute Materialien und Kleidung, die nicht zu viel Aufhebens um sich macht.“

STRENESSE hat zu Ihrer Zeit als Bundestrainer auch das Bild der deutschen Nationalmannschaft verändert: weg vom klassischen Funktionärslook, hin zu einer sehr modernen Ästhetik. Wie viel Einfluss kann Mode auf das Image einer Mannschaft oder einer Institution tatsächlich haben?
Jogi Löw: „Kleidung ist natürlich Teil des äußeren Bildes und kann eine bestimmte Haltung unterstreichen. Bei der Nationalmannschaft wollten wir damals modern und selbstbewusst auftreten, und Strenesse hat dafür eine sehr passende Sprache gefunden. Aber Mode kann immer nur unterstützen. Entscheidend ist, dass das äußere Bild zu dem passt, was man inhaltlich verkörpern möchte. Dann kann es sehr viel zu einer positiven Wahrnehmung beitragen.“
STRENESSE steht seit vielen Jahren für einen sehr klaren, hochwertigen Stil. Jetzt trifft die Marke auf Lidl und damit auf ein ganz neues Publikum. Was macht diese ungewöhnliche Verbindung für Sie interessant?
Jogi Löw: „Gerade weil die beiden Welten auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinen, finde ich die Verbindung reizvoll. Strenesse bringt eine klare Designidee und eine lange modische Geschichte mit, Lidl macht diese Idee für sehr viele Menschen erreichbar. Ich mag grundsätzlich den Gedanken, dass gutes Design nichts Exklusives sein muss. Wenn Qualität, Stil und ein vernünftiger Preis zusammenkommen, ist das für mich eine sehr zeitgemäße Kombination.“
Wenn Sie heute Ihren Kleiderschrank betrachten: Gibt es ein Kleidungsstück, bei dem Sie sagen: „Das bin einfach ich – unabhängig von Trends, Öffentlichkeit oder Anlass“?
Jogi Löw: „Auf jeden Fall der klassische schwarze Rollkragenpullover. Ich finde, das ist ein herrlich unaufgeregtes Kleidungsstück: klar, zeitlos und eigentlich immer passend. Ich habe mich darin schon früher sehr wohlgefühlt und fühle mich darin auch heute noch wohl. Vielleicht beschreibt er meinen Geschmack ganz gut: nicht laut, nicht kompliziert und trotzdem mit einer gewissen Präsenz.“
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