Mode auf der Leinwand: Brunello Cuccinelli Film kommt

Wenn in der Mode etwas sicher ist, dann ist es dies: Es wird irgendwann verfilmt. Designer:innen leben ein dramatisches Leben. Sie werden entweder genial geboren oder aus schwierigen Umständen herausgeprügelt. Sie arbeiten sich hoch. Sie brennen aus. Sie erfinden Schönheit und verfluchen sie gleichzeitig. Und die Filmwelt liebt genau das. Mode präsentiert Tragödien mit schönen Kostümen.

Und bei Brunello Cuccinelli ist das nicht anders. Sein Dorf in Umbrien soll ja nicht ein Firmensitz sein, sondern ein moralisches Manifest. Cucinelli behauptet, Arbeit könne die Seele retten und guter Cashmere sei eine Existenzform. Das ist jedenfalls die Geschichte, die ein Biopic über ihn erzählen würde. Beginnen wir mit dem Mann, der sich selbst gern Philanthrop des Luxus nennt.

Seine Mitarbeiter haben etwas, das in der Modebranche exotisch ist. Angemessene Arbeitszeiten und eine faire Bezahlung. Dass das selten ist, mussten viele Konsument:innen im letzten Jahr erfahren. (Stichwort: Zwangsverwaltung eines Taschenlieferanten von Dior wegen schwerer Arbeitsrechtssverstöße oder Vorwürfe gegen Loro Piana wegen Unterbezahlung von Näher:innen). Neuestes, trauriges Beispiel: Prada. Die Marke wurde vor Kurzem bei einer Arbeitsinspektion eines Subunternehmens als „ausbeuterisch“ bezeichnet. Ob es auch nur eine:n davon abhält, in einem Flagship-Store einzukaufen? Das kann man bezweifeln. Zu häufig sind mittlerweile die Skandale, die eher an Fast Fashion als an Luxus erinnern.

Das ist bei Brunello Cuccinelli anders. Und sein Begriff von Luxus ist einer, den selbst viele sehr, sehr Reiche nicht teilen, der aber in einer kapitalistischen ultrazynischen Welt fast schon wie ein „Gutmenschen“-Slogan daherkommt: Luxus ist nur dann Luxus, wenn er alle gut behandelt.

Es ist eine Art Spielfilm, die zugleich eine Dokumentation ist und die Arbeit des Modemachers in den Mittelpunkt rückt. Seine Vision: ein vergessenes italienisches Dorf zum Epizentrum einer Luxusmanufaktur zu machen, die Arbeiter:innen Perspektive, Zusammenhalt und ein faires Lohnniveau bietet.

Unter der Regie des Oscar-prämierten italienischen Autorenfilmers Giuseppe Tornatore entfaltet sich ein opulent inszenierter, stellenweise berührender Bildungsroman, der den Lebensweg Cucinellis nachzeichnet: von seiner entbehrungsreichen Kindheit auf einem ländlichen Bauernhof ohne Strom und fließendes Wasser bis hin zu seiner heutigen Rolle als 72-jähriger Milliardär und „Philosophenkönig“ des Kaschmirs.

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