Weihnachten ohne KI: Dior und Prada lassen das Handwerk ran

Prada und Dior setzen in ihren Weihnachtskampagnen 2026 auf handgezeichnete Animation. Das ist zauberhaft anzusehen. Und erzählt zugleich, wie sehr wir uns inzwischen nach Bildern sehnen, in denen die Arbeit eines Menschen noch spürbar ist.

Wie traurig ist es eigentlich, dass man mittlerweile das zelebriert, was nicht künstlich generiert wurde? Dass eine Hand etwas gezeichnet, eine Szene gestaltet, ein Film mit Geduld zum Leben erweckt hat, wird plötzlich zur eigenen Botschaft. Für die Weihnachtssaison 2026 setzen Prada und Dior auf genau diesen Gedanken: Handgemachtes darf wieder sichtbar sein. Mehr noch, es wird zum Luxusversprechen und zum Qualitätsmerkmal.

Prada im handgemalten Weihnachtswald

Prada nennt die Kampagne „Drawing Prada: Animated by Hand“. Schauspieler wie Sadie Sink, Maya Hawke, Chen Haoyu, Luther Ford und Kelvin Harrison Jr. bewegen sich darin zwischen realen Aufnahmen und gezeichneten Winterwelten.

Unter der Leitung des Animators John Pomeroy entstanden die Illustrationen, fotografiert wurden die Darsteller von Glen Luchford. Füchse, Mäuse und andere Waldtiere bevölkern die Szenen und begegnen den Prada-Looks mit jener spielerischen Selbstverständlichkeit, die nur eine sorgfältig gebaute Fantasiewelt besitzt. Prada beschreibt die Kampagne als handgefertigt und stellt Handwerk und kreativen Prozess in den Mittelpunkt.

Dior á la Disney

Auch Dior erzählt Weihnachten als Zeichnung. Für „Christian Dior’s Night in Color“ hat der französische Regisseur Sylvain Chomet einen animierten Kurzfilm geschaffen. Die Geschichte führt ins Jahr 1949: Marlene Dietrich braucht für einen Hollywoodfilm ein Kleid, nachdem die Produktion kurzfristig von Schwarzweiß auf Farbe umgestellt wurde. Ein nächtlicher Anruf erreicht Christian Dior in Paris. In den Ateliers beginnt die Arbeit an einem Kleid, das von der berühmten Junon-Robe inspiriert ist. Die Erzählung verbindet Dior mit Hollywood, Marlene Dietrich und dem Moment, in dem Farbe das Kino veränderte.

Beide Kampagnen sind auf ihre Weise Liebeserklärungen an eine Kunst, die viel Zeit in Anspruch nimmt. Bei Prada begegnen echte Menschen gezeichneten Tieren und Landschaften. Dior lässt Chomets Figuren durch die detailreichen Räume von Monsieur Diors Wohnung und durch die geschäftigen Couture-Ateliers wandern. Das Ergebnis wirkt leicht und beinahe selbstverständlich. Dahinter stehen jedoch Zeichnungen, Entscheidungen und zahllose einzelne Arbeitsschritte.

Dass dies als Kampagnenidee funktioniert, hat allerdings auch eine Kehrseite. Handarbeit war nie romantisch. Sie bedeutet Arbeitszeit, Können und faire Bezahlung. Wenn sie erst dann besondere Aufmerksamkeit bekommt, wenn sie bereits in der Flut der KI-generierten Bilder eine Ausnahme darstellt, zeigt das, wie selbstverständlich wir die menschliche Arbeit hinter Bildern und Geschichten zuvor übersehen haben.

Vielleicht ist das also beides: erfreulich und ein wenig ernüchternd. Erfreulich, weil Prada und Dior Illustrator und Animator ins Rampenlicht rücken und zeigen, wie viel Erzählkraft in gezeichneten Bildern steckt. Ernüchternd, weil das Handgemachte offenbar erst wieder als Besonderheit verkauft werden muss.

Für einen Weihnachtsfilm ist das eine schöne Pointe: In einer Zeit, in der Bilder immer schneller entstehen können, wird die sichtbare Zeit, die jemand in sie investiert, selbst zum Luxus.

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