Cecilie Bahnsen entwirft den Sonntagsaufzug für die Gen Z

Die Pre-Fall-2026-Kampagne von Cecilie Bahnsen lässt sich am besten verstehen, wenn man sie nicht isoliert betrachtet, sondern in Beziehung setzt. Zu einer Modewelt, die in den vergangenen Jahren entweder auf maximalen Kommentar oder auf maximale Verwertbarkeit gesetzt hat. Bahnsens Bilder – fotografiert von der britisch-nigerianischen Fotografin Nadine Ijewere und gestylt von Nathan Klein – verweigern beides.

Cecilie Bahnsen Pre-Fall-2026

Während viele Designer:innen den Akt des Anziehens zunehmend als performatives Statement inszenieren, interessiert Bahnsen weiterhin der Moment davor. Nicht das Bild, das im Umlauf geht, sondern der Zustand, aus dem es entsteht. Freundinnen, die sich gemeinsam vorbereiten, Kleidung richten, binden und verschieben. Es sind Bilder, die näher an der Erinnerung als an der Inszenierung liegen. Und genau darin unterscheiden sie sich von vielen zeitgenössischen Kampagnen, die Mode als fertige Erzählung präsentieren.

Cecilie Bahnsen Pre-Fall-2026

Schleifen werden bei Cecilie Bahnsen feministisch

Vergleicht man Bahnsens Ansatz etwa mit dem von Simone Rocha, wird ein feiner, aber entscheidender Unterschied sichtbar. Auch Rocha arbeitet mit Romantik, Schleifen und historischen Referenzen. Doch wo Rocha häufig das Dramatische, das symbolisch Überladene sucht, bleibt Bahnsen im Alltäglichen verankert. Ihre Schleifen sind weniger Zeichen als Funktionen. Sie schmücken nicht, sie halten. Sie strukturieren Stoffe, Körper, Bewegungen.

In Pre-Fall 2026 rückt ein Element ins Zentrum, das in Bahnsens Werk immer präsent war, nun aber programmatisch wird: die Schleife. Sie fungiert als Motiv, als Technik, als Denkfigur. Anders als viele Designer:innen, die Schleifen als nostalgische Geste einsetzen (siehe Simone Rocha), begreift Bahnsen sie als architektonisches Prinzip. Sie bündeln Stoff, erzeugen Spannung und halten Silhouetten zusammen. Unter ihrer scheinbaren Zartheit liegt ein strukturelles Selbstbewusstsein.

Cecilie Bahnsen Pre-Fall-2026

Dieser Zugang unterscheidet Bahnsen auch von Häusern wie Miu Miu oder Valentino, die das Thema Anlass zuletzt bewusst überzeichnet haben. Dort wird das „Sich-schön-machen“ häufig als ironischer Akt gelesen, als Spiel mit Codes. Bahnsen hingegen entzieht dem Anlass seine Hierarchie.

In ihrer Pre-Fall-2026-Kollektion gibt es kein klares „formal“ oder „informell“. Silhouetten mit coutureartiger Präzision beginnen zu slouchen, sich dem Körper anzupassen und sich seiner Bewegung zu überlassen. Kleidung verliert nicht an Komplexität, aber an ihren Anspruch, erklärt zu werden.

Anziehen als Beziehung

Genau hier wird es politisch, ohne es auszustellen. In einer Modeindustrie, die Individualität oft als Abgrenzung versteht, denkt Bahnsen sie als Beziehung. Anziehen wird zum sozialen Akt. Nicht als Spektakel, sondern als geteiltes Ritual. Die Kleidung existiert nicht für den Blick von außen, sondern für den Moment dazwischen.

Dass Bahnsen diese Perspektive entwickelt hat, ist eng mit ihrem Werdegang verbunden. Aufgewachsen in Dänemark, ausgebildet an der Royal Danish Academy of Fine Arts und später an der Central Saint Martins in London, bewegte sie sich früh zwischen Kunst und Mode. Ihre Arbeit für Erdem und John Galliano schärfte ihr Verständnis für Volumen, Materialität und handwerkliche Präzision. 2015 gründete sie in Kopenhagen ihr eigenes Label.

Cecilie Bahnsen Pre-Fall-2026

Seitdem hat sie sich konsequent einer Mode verschrieben, die sich den gängigen Kategorien entzieht. Weder Minimalismus noch Überwältigung, weder Nostalgie noch Ironie. Stattdessen ein fortlaufendes Nachdenken über das Kleid als Objekt, als Hülle, als soziale Oberfläche. Pre-Fall 2026 markiert dabei keinen Bruch, sondern eine Verdichtung. Eine Kollektion, die zeigt, dass zeitgenössische Mode nicht immer neue Formen erfinden muss – sondern neue Beziehungen zwischen Körper, Kleidung und Moment.

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