Karma ist kein Zufall. Es ist die Entscheidung, wer wir sein wollen.

Karma hat ein Imageproblem. Für die einen ist es esoterischer Kitsch, für die anderen ein hübscher Instagram-Satz. „Was du gibst, kommt zurück“ klingt gut, fühlt sich richtig an, bleibt aber oft folgenlos.

Vielleicht, weil wir Karma als nette Idee behandeln. Und nicht wie das, was es eigentlich ist: eine Zumutung. Denn sobald man Karma ernst nimmt, wird es unbequem. Dann gibt es keine Ausreden mehr.

Nicht die Umstände, nicht „die anderen“, nicht dieser eine schlechte Tag. Dann zählt nur noch, was wir selbst in die Welt setzen. Jeden Tag, in jedem Gespräch, in jeder noch so kleinen Entscheidung.

Und genau da wird es plötzlich persönlich.

Ich ertappe mich selbst oft dabei, wie schnell man in alte Muster rutscht. Ungeduldig wird. Genervt reagiert. Dinge sagt, die man eigentlich nicht so sagen wollte. Früher hätte ich das vielleicht einfach abgehakt. Heute merke ich: Genau dort entscheidet sich alles. Nicht in den großen Momenten, sondern in den kleinen.

Was bedeutet Karma eigentlich?

Der Gedanke hinter Karma ist eigentlich simpel: Was wir in die Welt geben, kehrt zu uns zurück. Nicht immer sofort, nicht immer sichtbar. Aber spürbar. In der Art, wie wir leben. Wie wir uns fühlen. Und wie wir mit anderen verbunden sind.

In einer Zeit, in der Selbstoptimierung oft mit Selbstzentrierung verwechselt wird, wirkt Karma fast wie ein stiller Gegenentwurf. Hauptsache, ich komme durch. Hauptsache, ich habe meinen Vorteil. Der Rest? Wird schon irgendwie passen.

Karma sagt: Nein. So funktioniert das nicht.

Nicht im strafenden, sondern im ehrlichen Sinne. Dein Verhalten formt deine Realität. Wer ständig nimmt, ohne zu geben, gewinnt vielleicht kurzfristig. Langfristig verliert man aber etwas, das sich nicht einfach zurückholen lässt: Vertrauen. Tiefe. Echte Verbindung.

Magdalena Auer Foto: Sono Contento
Magdalena Auer | Foto: Sono Contento

Karma im Alltag: Kinder sehen mehr, als wir sagen

Und genau hier beginnt für mich der wichtigste Teil. Denn diese innere Ausrichtung bleibt nicht bei uns. Sie wird beobachtet. Jeden Tag. Von unseren Kindern.

Karma funktioniert nicht über Worte. Es funktioniert über das, was Kinder sehen. Wie ich reagiere, wenn mich jemand nervt. Wie ich über andere spreche. Ob ich helfe, auch dann, wenn es mir gerade nicht passt.

Ich versuche meinen Kindern Karma nicht zu erklären, sondern schmackhaft zu machen. Im Alltag und ohne große Worte. Zum Beispiel, wenn wir jemandem unter die Arme greifen und danach dieses leise, gute Gefühl bleibt. Oder wenn wir bewusst freundlich sind und sich die Stimmung plötzlich verändert. Diese kleinen Momente sind es, die hängen bleiben.

Kinder verstehen das. Nicht als Konzept, sondern als Gefühl.

Und genau daraus entsteht etwas, das viel stärker ist als jede Regel: ein innerer Kompass. Einer, der nicht von Likes, Lob oder Belohnungen abhängt, sondern vom Wissen: Es macht einen Unterschied, wie ich mich verhalte. Auch dann, wenn niemand hinschaut.

Warum Karma auch dann zählt, wenn niemand zusieht

Das ist vielleicht der unbequemste Teil an Karma: Es funktioniert auch im Verborgenen. Aber genau darin liegt auch eine unglaubliche Freiheit. Denn wenn wir aufhören, ständig zu vergleichen, zu kontrollieren und aufzurechnen, entsteht Raum. Raum, einfach das Richtige zu tun. Ohne sofortige Gegenleistung. Es entsteht Raum für Empathie.

Karma ist kein Versprechen dafür, dass alles gut ausgeht. Es ist eine Entscheidung, trotzdem gut zu handeln.

Und vielleicht ist es am Ende gar nicht wichtig, ob Karma „wirklich existiert“. Entscheidend ist, was passiert, wenn wir so leben, als wäre es so. Wir werden achtsamer, geduldiger und weniger selbstbezogen. Und vielleicht beginnt genau dort das, was wir uns so oft von der Welt wünschen: dass sie ein bisschen freundlicher wird.

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