Mode: Ein (Körper-)Gefühl – Kolumne von Victoria Zemanek

„Oh nein. Nein, Nein!“, denke ich mir als ich in meine Lieblingshose schlüpfen will, sie aber nicht zubekomme . Normalerweise ist sie nach dem Waschen immer etwas eng, aber Probleme sie zuzumachen habe ich sonst nicht. Den ganzen Sommer habe ich mich auf meine Herbstoutfits gefreut, die ich mit meiner Highwaste-Jeans stylen kann.


Und jetzt stehe ich hier, am Ende des Sommers und kriege die Jeans knapp zu – sehr knapp.

victoria zemanek

Es ist diese Art von Jeans, die gerade im Trend ist: Oben eng, sodass der Po gut zu Geltung kommt, unten ausgestellt. Da ich eher klein bin, war ich am Anfang unsicher, ob ich in so einer Art von Hose nicht eher untergehe, aber ich habe mich in den Schnitt dieser Hose verliebt und sie unheimlich gerne angehabt. Und jetzt stehe ich hier, am Ende des Sommers und kriege sie knapp zu – sehr knapp.

Sitzen bzw. bücken kann ich mich sowieso nicht. Es ist jetzt eine Stehhose. Zum Stehen eben. Aber selbst das halte ich nicht lange aus, ich muss mich geschlagen geben. Auch meine anderen Hosen geben nicht nach und ich fühle mich wie eine Presswurst. Es überrascht mich, dass ich anscheinend über den Sommer zugenommen habe.

Victoria Zemanek

Die Sache ist die: Hätte mir meine Lieblingsjeans dies nicht schmerzvoll vor Augen gebracht, hätte ich das gar nicht wirklich bemerkt, besitze ich doch keine eigene Waage und den öffentlichen traue ich nicht. Das einzige, was mich stört, ist nicht der Fakt, dass ich 5 Kilo zugenommen habe, sondern das meine Hosen nicht mehr passen.

Ich liebe meine Hosen und liebe die Outfits, die ich damit style. In denen fühle ich mich wohl – jetzt muss ich auf andere Beinbekleidung ausweichen. Am Anfang dachte ich das wäre eine gute Möglichkeit um aus meiner modischen Komfortzone auszubrechen und andere Hosen bzw. vielleicht mehr Röcke oder Kleider zu tragen. WRONG.

Diese Erfahrung hat mir vor Augen gezeigt, wie viel es ausmacht, sich in seinen Outfits wohlzufühlen. Ja, es gibt Menschen die Stunden vor dem Kasten stehen um sich das perfekte Outfit zusammenzustellen und es gibt Menschen, die verschlafen in den Kleiderschrank greifen und das anziehen, was sie erwischen, aber eins haben all diese Personen gemeinsam – sie ziehen das an indem sie sich wohlfühlen!

Das bestätigt auch eine Onlineumfrage die vom Hamburger Marktforschungsinstitut Appinio im Auftrag des japanischen Bekleidungskonzerns Uniqlo Anfang März 2023 durchgeführt wurde. Es wurden insgesamt 1.000 deutsche Männer und Frauen zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Ziel der Studie war zu untersuchen inwiefern Mode das tägliche Leben beeinflusst. Insgesamt zeigt die Umfrage, dass was wir täglich anziehen eine wichtige Rolle dabei spielen kann, das Wohlbefinden zu verbessern und Stress zu reduzieren.

Ebenso kann es ein Stressfaktor sein, wenn wir das Gefühl haben, dass wir in unserem Kasten nichts passendes zum Anziehen haben- so fühle ich mich momentan. Jetzt bleibt mir wohl nichts anderes mehr über als entweder eine Diät bzw. mehr Sport zu machen oder mir neue Beinbekleidung zu besorgen…aber wie sagte Hubert de Givenchy so schön?

The dress must follow the body of a woman, not the body following the shape of the dress.“

~ Hubert de Givenchy

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