Irgendwann zwischen Terminen, Listen und dem Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, ist uns die Fähigkeit, einen gewöhnlichen Tag als etwas Besonderes zu betrachten, ein wenig verloren gegangen. Doch unser Leben besteht genau daraus: Aus gewöhnlichen Tagen.
Ich liebe es, das Leben zu romantisieren. Nicht, weil ich glaube, dass alles immer schön ist. Ganz im Gegenteil. Das Leben stellt uns ab und an auf die Probe. Jeder Mensch trägt Geschichten in sich, von denen andere nichts wissen. Sorgen, Enttäuschungen, Verluste, Zweifel oder Tage, an denen einfach alles zu viel wird. Wir alle tragen unser Päckchen. Vielleicht brauchen wir gerade deshalb einen Blick, der das Schöne nicht übersieht.
Das Leben anders zu betrachten, es zu romantisieren, ist mein Weg, es zu zelebrieren.
Für mich bedeutet das Leben zu romantisieren nicht, die Realität auszublenden oder ständig auf Reisen zu sein. Es bedeutet, dem Alltag Würde zu verleihen.


Den ersten Kaffee nicht nebenbei zu trinken, sondern ihn wirklich zu genießen. Frische Blumen auf den Tisch zu stellen, obwohl niemand zu Besuch kommt. Musik laufen zu lassen, während das Abendessen gekocht wird. Eine Kerze anzuzünden und kurz innehalten. Das Fenster zu öffnen und den Regen bewusst zu riechen. Die einfachen Dinge als kostbar erachten.
Ich glaube, dass Dankbarkeit eine tägliche Entscheidung ist. Nichts in unserem Leben ist selbstverständlich. Nicht unsere Gesundheit. Nicht die Menschen, die wir lieben. Nicht Frieden. Nicht Zeit. Gerade Zeit ist das Wertvollste, was wir besitzen – und gleichzeitig das Einzige, das wir nicht vermehren können. Umso wichtiger erscheint es mir, sie mit Leben zu füllen, statt sie nur verstreichen zu lassen.
Seit ich Mama bin, denke ich noch bewusster darüber nach, welche Werte ich meinen Kindern mitgebe. Ich wünsche ihnen, dass sie staunen können. Dass sie Schönheit erkennen, wo andere nur den Alltag sehen. Dass sie verstehen, was Glück bedeutet.
Ich wünsche mir, dass meine Kinder später nicht sagen: „Wir hatten immer alles.“ Sondern: „Wir haben gelernt, das zu schätzen, was wir hatten.“

Unsere Gesellschaft vermittelt uns, dass Glück irgendwo vor uns liegt. Im nächsten Karriereschritt. Im größeren Haus. Im nächsten Urlaub. Im perfekten Körper. Am Wochenende. Doch was, wenn Glück viel unspektakulärer ist? Was, wenn es längst da ist und nur darauf wartet, gesehen zu werden?
Meiner Meinung nach braucht es tatsächlich eine kleine rosarote Brille.
Nicht, um die Welt schöner zu machen, als sie ist. Sondern um sich bewusst gegen den ständigen Blick auf das Negative zu entscheiden. Unser Gehirn ist darauf programmiert, Gefahren schneller wahrzunehmen als das Schöne. Umso wichtiger ist es, das Gute aktiv zu suchen. Nicht aus Naivität, sondern aus Hoffnung.

Ich möchte meinen Kindern zeigen, dass ein schönes Leben nicht davon abhängt, wie viel wir besitzen, sondern davon, wie wir auf das blicken, was bereits da ist. Dass Stil mehr ist als nur Kleidung. Dass Luxus mehr ist als nur Marken. Dass echter Reichtum bedeutet, Zeit miteinander zu verbringen, aufmerksam zuzuhören, ehrlich dankbar zu sein und sich über kleine Dinge von Herzen freuen zu können.
Am Ende wird sich wahrscheinlich niemand daran erinnern, wie viele E-Mails wir beantwortet haben oder wie perfekt wir unseren Alltag organisiert haben.
Wir erinnern uns an Gefühle. An den Duft eines Sommers. An das Licht einer Morgensonne. An das Lachen unserer Kinder. An Umarmungen, die ein Zuhause waren. Das ist die Kunst eines erfüllten Lebens: Nicht auf außergewöhnliche Momente zu warten, sondern gewöhnliche Momente außergewöhnlich wertvoll werden zu lassen.
Das Leben ist oft schwierig. Gerade deshalb entscheide ich mich jeden Tag aufs Neue dafür, das Schöne nicht zu übersehen. Nicht, weil ich die Realität verdränge, sondern weil ich glaube, dass Hoffnung, Dankbarkeit und ein liebevoller Blick auf die Welt Kräfte sind, die uns tragen. Das ist meine romantische Art zu leben.
P.S.: Ich hab’ ein paar Tränen verdrückt beim Schreiben 😉
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