Ein Museum voller Karat: Van Cleef & Arpels im MAK Wien

Es gibt Ausstellungen, bei denen man schon nach wenigen Minuten innerlich die Versicherungssumme überschlägt. „GLANZSTÜCKE. Van Cleef & Arpels High Jewelry × Masterpieces from the MAK Collection“ gehört eindeutig zu dieser Kategorie.

Die Schau ist in sechs Kapitel gegliedert: Wanderlust, Architecture, Rhythmic Designs, On Stage, Metamorphoses und Nature & Cosmos. Die Szenografie des Pariser Ateliers Tsuyoshi Tane Architects führt als Labyrinth durch die Ausstellung.

Die Untere Ausstellungshalle des MAK, mit ihren rund 1.474 Quadratmetern, wird dafür nicht nur bespielt, sondern auch verwandelt. Sie wirkt weniger wie ein neutraler Museumsraum als vielmehr wie ein internationales Ausstellungssetting, das Wien sehr gut steht.

Hier funkeln derzeit so viele Diamanten, Smaragde, Rubine, Saphire und historische Preziosen, dass man sich kurz fragt, ob man nicht gerade in einem Tresor steht. Die unglaubliche Vielfalt der Exponate macht schwindlig.

Am Eröffnungsabend war leider nicht so viel Publikum da, wie diese Ausstellung verdient hätte. Das ist schade, denn das, was das MAK Wien hier mit Van Cleef & Arpels zeigt, hat ein Format, das man eher mit großen internationalen Häusern verbindet.

Man denkt an London, an das V&A, an jene Ausstellungen, in denen Mode, Schmuck, Kunsthandwerk und Markenarchiv nicht als Nebenschauplätze der Kultur behandelt werden, sondern als ernstzunehmende Formen von Gestaltung, Geschichte und Begehren.

Dabei ist „Glanzstücke“ natürlich auch eine Markeninszenierung. Alles andere zu behaupten, wäre naiv. Van Cleef & Arpels kommt nicht zufällig nach Wien, nicht zufällig ins MAK und nicht zufällig in diese prachtvolle Halle.

Die Pariser Haute-Joaillerie-Maison eröffnet hier einen kulturellen Resonanzraum für ihre eigene Geschichte. Aber gerade darin liegt der Reiz. Denn die Ausstellung versteckt den Marketinggedanken nicht, sondern übersetzt ihn in eine museale Sprache, die erstaunlich gut funktioniert.

Eine Markengeschichte, die Paris im Herzen trägt

Van Cleef & Arpels wurde 1906 am Place Vendôme in Paris gegründet, aus der Verbindung von Alfred Van Cleef und Estelle Arpels hervorgegangen.

Das Haus wurde schon früh mit einer Idee von Schmuck verbunden, die weit über Repräsentation hinausging. Es ging um Bewegung, Verwandlung, technische Raffinesse und – natürlich – Handwerk.

In den 1930er Jahren entstanden einige der bis heute wichtigsten Erfindungen der Maison: die Minaudière, die Cadenas-Uhr, das Passe Partout und das 1933 patentierte Mystery Set, bei dem Edelsteine so gefasst werden, dass das Metall kaum sichtbar bleibt.

Genau diese Geschichte erzählt das MAK nicht als lineare Chronik. Und das ist eine gute Entscheidung.

Wer hier auf Alhambra wartet, wird nicht bedient. Das berühmte Kleeblatt bleibt draußen.

Stattdessen öffnet sich eine andere Welt von Van Cleef & Arpels: High Jewelry, historische Einzelstücke, transformierbare Colliers, Dosen, Clips, Uhren und Objekte, die mehr mit Kunstkammer, Bühne und Architektur zu tun haben als mit dem Schmuck, den man aus Schaufenstern oder Instagram-Feeds kennt.

Rund 500 Exponate sind zu sehen, davon mehr als 300 aus der Van Cleef & Arpels Collection und über 200 aus der Sammlung des MAK. Die Gegenüberstellung ist der eigentliche Coup. So trifft ein Zip-Collier auf Koloman Moser, eine Minaudière auf die Wiener Werkstätte, ein Schmuckstück auf Textilien, Keramik, Metallarbeiten, Teppiche aus der Orientsammlung des MAK Wien oder auf Objekte aus anderen Jahrhunderten.

Darunter ein Exemplar des berühmten Delphos-Kleides, das bis heute mit seiner plissierten Seide ein Mysterium birgt und dessen Historie wir bereits auf EntreNous besprochen haben.

Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil das MAK zuletzt stark an seiner Präsentation gearbeitet hat. Neue Sammlungsaufstellungen, sanierte Räume, neue Konzepte und eine stärkere Öffnung in Richtung Design, Mode (wie mit der gerade zu Ende gegangenen Helmut-Lang-Ausstellung) und angewandte Gegenwart haben dem Haus eine andere Energie verliehen. „Glanzstücke“ fügt sich in diese Entwicklung ein.

Die Ausstellung zeigt, was passieren kann, wenn ein Museum seine Sammlung nicht als Depot der Vergangenheit behandelt, sondern als Material, das in Beziehung zu internationalen Archiven treten darf.

Natürlich bleibt die Frage nach der Nähe zwischen dem öffentlichen Museum und der Luxusindustrie bestehen. Diese Diskussion ist berechtigt. Aber sie sollte nicht dazu führen, die Ausstellung vorschnell abzutun. Denn gerade die angewandte Kunst war immer auch mit Auftraggebern, Manufakturen, Märkten und Macht verbunden.

Schmuck ist nie unschuldig. Er erzählt von Geld, von Körpern, von Status, von Geschlecht, von Handwerk, von Kolonialgeschichte, von Sehnsucht und Besitz.

Man kann sehen, wie stark Luxus von Narrativen lebt, von Herkunft, Archiv, Aura und der Fähigkeit, aus einem Objekt eine Geschichte zu machen.

Van Cleef & Arpels beherrscht diese Kunst seit 120 Jahren. Das MAK gibt ihr nun einen Rahmen, der groß genug ist, um mehr daraus zu machen als nur eine elegante Produktschau.

Am Ende bleibt ein Eindruck, der für Wien ungewöhnlich ist: eine Ausstellung, die international wirkt und das Publikum ernster nimmt als viele Luxuspräsentationen es tun, indem sie Kontext liefert. Aber sie ist vor allem eine seltene Gelegenheit, Haute Joaillerie aus nächster Nähe zu erleben, ohne dafür in eine Metropole reisen zu müssen.

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